Alle halbe Jahr ist Upgradezeit – ein wenig wie Ostern, nur öfter und umsonst. Sofern man nicht eine LTS Version verwendet, steht also regelmäßig das dist-upgrade an. Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, dass ganze durchzuführen: Ein Upgrade bei laufendem System, also über die Aktualisierungsverwaltung oder eine saubere Neuinstallation mit Erhalt des Heimverzeichnisses, also aller privater Dateien und Einstellungen.
Aus aktuellem Anlass und in Anknüpfung an den vorigen Artikel zu Ubuntu 11.04, folgt hier eine kurze Beschreibung, wodrauf zu achten ist und wie man geschickt vorgeht.

Vorbereitungen

Ich weiß, es ist nervig und steht in jeder Anleitung, aber: Zunächst legt man ein schönes Backup der gesamten Festplatte an. Das hat zudem einen schönen Nebeneffekt: Man fühlt sich gleich viel sicherer. 😉
Für das Backup empfiehlt sich Clonezilla oder – wenn man eine verschlüsselte Partition effizienter sichern will – die root shell aus dem Recovery Mode von Ubuntu mit partimage, was auch in Clonezilla Einsatz findet. Warum die root shell? Verschlüsselte Partition werden und können nur per dd gesichert werden, also bitweise, womit das Image einer Partition genauso groß ist, wie die Ausgangspartition – auch bei nicht vollständig belegter Partition. Entschlüsselt man jedoch die Partition in der root shell, kann man wie gewohnt platzsparend mit partimage ein unverschlüsseltes(!) Abbild erstellen.

Da die Images nur für den Notfall zur Wiederherstellung dienen sollen, sind noch ein paar Daten aus dem Wurzelverzeichnis zu sichern, um sie später unkompliziert wieder zurückzuspielen.

  • /usr/local/bin/ – enthält Binärdateien selbst angelegter oder erstellter Programme und sollte gesichert werden
  • /home/ – Hier liegen die Daten aller Benutzer und müssen – sofern sie nicht sinnvollerweise auf einer eigenen Partition liegen – gesichert werden
  • /etc/rc.local – sofern man eigene Programme in den Systemstart eingebunden hat
  • /etc/modprobe.d/ – Manuell definierte Startparameter für Module
  • Und natürlich weitere Dateien außerhalb vom /home/, von denen man weiß, dass man sie manuell angelegt hat
Nachtrag:

Selbst erstellte crontabs sichert man am Einfachsten per

 crontab -l >> crontab.bak

Installation

Die Neuinstallation ist denkbar einfach. Image runterladen, auf CD brennen, von CD booten.
Während der Installation sollte man vorsichtig vorgehen, um nicht versehentlich die Home-Partition zu löschen. Im Menu „Festplattenspeicher zuweisen“ wählt man die Option „Etwas Anderes“. Im nächsten Menü empfiehlt sich die Option „Etwas Anderes“, um sicher zu gehen, dass die richtigen Partition überschrieben werden.
In der folgenden Partitionierung legt man die Partition fest, indem man Root, Swap und optionale wie Boot formatiert und den Einbindungspunkt korrekt zuweist. Gleiches gilt für die Home-Partition, jedoch ist darauf zu achten, dass diese nicht formatiert wird. Falls ausversehen doch… haben wir ja ein Backup, nicht? 😉
Ich bin bei der Gelegenheit gleich auf Ext4 für die Root-Partition umgestiegen. Zudem konnte ich /home nicht direkt zuweisen, da es als verschlüsselte Partition vorliegt. Stattdessen habe ich einen neuen Benutzer wie gewohnt angelegt und zunächst das System nackt gestartet. Hier drin kurz WLAN eingerichtet und geschaut, ob alles läuft, sowie die Pakete für den nächsten Schritt installiert (libpam-mount). Nach einem Neustart in den Recovery Mode konnte ich nun meine verschlüsselte Partition per LUKS auf /home/<username> mounten und somit wieder Zugriff auf meine privaten Dateien.

Anmerkung

Die Option „Aktualisierung während der Installation herunterladen“ habe ich zwar angewählt, jedoch blieb mir Internet während der Installation verwehrt, da ich erst das Paket firmware-b43-installer installieren musste. Es empfiehlt sich vor der Neuinstallation darüber Gedanken zu machen und das relevante Paket im Voraus runterzuladen und manuell bereitzustellen. In meinem Fall das Paket für den Broadcom-Chipsatz.

 

Aufräumen der Einstellungen

Hat man /usr/local/bin/, /etc/rc.local und /etc/modprob.de/ zurückgespielt, kann man noch einen Blick in die versteckten Dateien im Wurzelverzeichnis werfen. Mit Strg+H werden in Nautilus alle versteckten Ordner und Dateien sichtbar (Name beginnt mit einem Punkt, z.B. .mozilla). Die nun sichtbaren Ordner enthalten persönliche Einstellungen für verschiedene Anwendungen. Sofern man weiß, was man tut, kann man ungebrauchte Ordner entfernen. Hilfreich ist auch ein Blick in den Ordner .gconf/, da hier Systemeinstellungen hinterlegt werden. Sofern man von einer Einstellungen nicht weiß, dass man sie zwingend braucht, kann auch hier ausgemistet werden. Das hat den positiven Effekt, dass die Standardeinstellungen von Ubuntu geladen werden und sich somit auch eingeschlichene Macken beheben lassen. Bei mir ließ sich so z.B. ein Fehler beheben, der beim Bildschirmschoner bislang auftrat. Die Ordner sollten jedoch nicht vollständig gelöscht, sondern zunächst nur verschoben werden, da bei mangelnder Voreinstellung das System auch mal rumzickt. Zu Deutsch: Aufräumen gut, aber Fummelei.

Freuen

Und das Ergebnis: Ein neues, aufgeräumtes Ubuntu (bei mir sogar 64bit) und ganz ohne Macken oder langwierigen Upgrade-/Download-Prozess. 🙂

 

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